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Rechnerlexikon

Die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens

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Sammlertreffen Eichenau 4.April 2009


1 Sammlertreffen 4.April 2009, Eichenau bei München

Im Biergarten von Eichenau werden nacheinander die Sammler aus den verschiedensten Ecken von Deutschland begrüßt, drängen sich auf die Bank, um neben einem schnellen Mittagessen einen Blick auf den Laptop des Kollegen zu werfen, um seine neuesten Errungenschaften zu bewundern. Man kennt sich von den regelmäßigen, Drei-Monats-Treffen, die zwar informell ablaufen, aber voll Informationen und Kuriositäten aus der Rechner- und der Schreibmaschinen-Welt. Die Prävalenz der anwesenden Rechenmaschinensammler drängt leider die Typenhebel-Freunde etwas an den Rand, deren Lobby vielleicht ein anderes Mal dominieren wird, wie der Organisator F. Diestelkamp meint.

Diesmal geht es um " Zehnerüberträge", also um das Zentralthema der mechanischen Rechenhilfen. Schon beim Kinder-Kugelrechner muss man bekanntlich zum Dazuzählen über die Zehn die 10 Kugeln zurückschieben, dafür eine an der nächsten Stelle hinzufügen und erst dann weitermachen.

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Union-Addierscheibe


Stephan Weiss konzentriert sich bei seinem Vortrag auf die Besonderheiten bei den anscheinend "einfachen" Rundrechnern aus Pappe, bzw. Blech. Da haben wir nämlich sowohl 10-er als auch 100-er-Überträge, die allein durch das Ziehen des Stifts entlang der Kreisscheibe ( Optima ), bzw. der Spirale ( Union ) und einiger Stelllöcher realisiert werden. Das kurioseste, aber sicher auch genialste Patent hierzu ist - laut Weiss - vom Zehnervorschub im Funke-Addierer.
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Funke


Da werden zwei konzentrische Scheiben simultan gedreht, von denen die untere auf dem Umfang ein Loch mehr als die andere hat. Beim Hineinstecken des Stifts in übereinanderliegende Löcher bemerkt man kaum, dass sie für jede Zahl um einen Bruchteil von Winkelgraden gegeneinander verschoben sind, aber genau dies bewirkt bei der Summierung letztendlich die Verschiebung der unteren Scheibe um eine ganze Zahl, also einen Zehnerübertrag. Die dabei nötigen Winkelberechnungen der Fenster- und Zehnerscheibe werden uns mithilfe zweifarbiger Graphiken auf die zweite Kommastelle hin genau bewiesen.

Statt ad-hoc gezeichneter Erläuterungen, projiziert dann Stefan Drechsler eine ausgefeilte, farbige Computer-Simulation des Zehnerübertrags von Selling. Wir können das Ineinandergreifen des Planetengetriebes und somit den kontinuierlichen Vorgang beim Summieren nachvollziehen.



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Burroughs-Schneckenscheibe


Wolfgang Irler knüpft in seinem Beitrag darauf an und versucht, den Zehner-Übertrag der Burroughs-Klasse-5-Maschinen zu erläutern. Der schleichende und schlecht ablesbare Übertrag von einem Zählrad zum nächsten bei Selling wird bei dem Burroughs-Patent in einem Zwischengetriebe versteckt. Dessen Planetenrädchen werden mittels einer schneckenförmigen Scheibe jeweils ein Stückchen weitergedreht (max. 30°), bis sie beim Übergang von 9 nach 0 über die Nase der Schnecke springen und somit das nächste Zählrad weiterdrehen, auch wenn sich dieses gerade in Bewegung befindet.
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Bestaunenswert: Ein außergewöhnlicher Zehnerübertag bei einer herkömmlichen Burroughs

Eine kurze Demonstration auf den mitgebrachten Maschinen ermöglicht die Präzision des fortlaufenden Übertrags zu erkennen.
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Maschinen


Gerhard Schroeter zeigt danach, wie superschnell die motorisierte Marchant Figurematic (auch mit Planetengetrieben zur Bewältigung der Zehnerüberträge) eine lange Multiplikation ausführt, wobei hier alle Ergebnisstellen so lange kontinuierlich weiterdrehen, bis erst beim Erreichen des Endresultats die ganzen Ziffern einrasten.
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Edmondson (ohne Resultatscheibe)


Einen Leckerbissen bereitet uns gegen Ende noch Reinmar Wochinz, als er einen geheimnisvollen Kasten aufmacht. Er enthält die riesige halb-runde Edmondson-Maschine, über die sich sofort alle beugen. Der Läufer dieser schweren Staffelwalzenmaschine ist hier kreisförmig gestaltet, mit radialen Schiebereingaben rund herum. Niemand kann sich allerdings einen Reim auf die drei verschiedenen Umdrehungszähler machen. Da wird Wochinz noch intensiv forschen müssen.
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Bestaunenswert: Ein herkömmlicher Zehnerübertag bei einer außergewöhnlichen Edmondson

Die Logarithmus-Analogie zum Zehnerübertrag präsentiert uns Klaus Kühn auf dem Rechenschieber, dessen innerer Schieber mal links, mal rechts herausgezogen werden muss. Diesen Nachteil beheben einige Hersteller mit Zusatzskalen (z.B. 3-6-Skala), Rundscheiben oder – wie beim Otis-King und Fuller – durch spiralförmige Anordnung der Skalen.

Das nächste, sicher wieder spannende Treffen Anfang Juli wird unter dem Thema „Schaltmechanismen“ die gesamte Sparte der mechanischen Rechenmaschinen angehen.






2 Literatur


3 Copyright

Alle Rechte beim Verfasser

Erstellt von: Wolfgang Irler 15:36, 6. Apr 2009 (IST)



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