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Rechnerlexikon

Die große Enzyklopädie des mechanischen Rechnens

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Pro Calculo! Entwicklung


Sommaire

1 Die Entwicklung des "Pro Calculo!"

Jeder Sammler mechanischer Rechengeräte stolpert irgend wann über einen kleinen Rechner mit dem Namen "Pro Calculo!". Es ist ein Zahlenschieber, mit dem man nur addieren kann und der gewöhnlich in einem Etui steckt.
Wenn man dann versucht, den Hersteller zu erfahren, bekommt man mehrere Antworten:
Es könnte Addiator sein; der Name deutet auf Jean Bergmann und vielleicht war es ja auch Otto Meuter? Wer hat nun recht?

Alle drei Antworten sind fast richtig, aber die Wahrheit liegt - wie so oft - wohl etwas tiefer. Versuchen wir mal eine Analyse!

Der Schlüssel liegt vielleicht in zwei Anzeigen von 1922 in der Schreibmaschinenzeitung:

   
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Anzeige, 1. Februar 1922, Schreibmaschinenzeitung

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Anzeige, 22. März 1922, Schreibmaschinenzeitung


Was war also geschehen? Die folgenden Überlegungen ergeben sich auch aus Gesprächen mit Frau Schaffhirt-Kübler, der Tochter von Carl Kübler (Firmengründer der Firma Addiator) und spätere Direktorin.

2 Rekonstruktion

Als Carl Kübler 1920 mit der Produktion seiner Rechner begann, wollte er nur zweiseitige Modelle nach DRP367599 produzieren. Otto Meuter hingegen tendierte zu einfachen und billigen Modellen, die eher seinem DRGM695909 entsprachen. So ist es offensichtlich, dass Otto Meuter heimlich einen Rechner entwickelte, der einseitig war und kleiner als das damalige Addiator Basismodell. Otto Meuter arbeitete zu der Zeit, ca. 1920/21, noch mit Carl Kübler zusammen und konnte wohl auch die Werkstätten der Firma nutzen. Die Werkzeuge für den Pro Calculo! wurden also vermutlich indirekt von Addiator finanziert, ebenso wurden dort die ersten Exemplare für Jean Bergmann hergestellt. Zu dieser Zeit hatte sich Jean Bergmann den Namen "Pro Calculo!" schützen lassen, der auf dem Rechner stand.

Hinweis: Addiator hat am 3.11.1921 das WZ "Pro Calculo!" angemeldet. Am 9.9.1922 wurde das abgelehnt, weil es schon für Jean Bergmann eingetragen war.

Otto Meuter, der ja alle Geheimnisse der Addiator-Rechner zu der Zeit kannte, fertigte wohl in eigener Werkstatt einen Rechner unter diesem Namen nur für Bergmann. Für Addiator war das keine große Konkurrenz, da der Pro Calculo! einen vergleichsweise primitiven Aufbau hatte.

Aus den oben genannten Anzeigen und anderen Hinweisen ergibt sich für 1921/1922 folgender Ablauf:
Otto Meuter und Carl Kübler trennten sich nach einem Krach.
Carl Kübler führte einen Prozess gegen Meuter und Bergmann, der aber argumentativ recht schwierig war, wenigstens sind (neben dem Text aus dem Urteil) keine wichtigen Hinweise bekannt. Basis war das Patent DRP356782, mit dem die Deckplatten und darin u.a. die abgewinkelten Ränder geschützt wurden.

Der Prozess endete günstig für Addiator und Carl Kübler versuchte, den Erfolg auszuschlachten. Der Dumme war an dieser Stelle Otto Meuter, das muss klar gesagt werden.

Ein Erfolg im Prozess führt aber nicht unbedingt zu einem Erfolg im Geschäft. Also mussten sich die Kontrahenten darauf besinnen, wie sie wieder geschäftlich zusammenarbeiten konnten, denn Bergmann hat nicht produziert, sondern nur verkauft. Und Addiator wollte wieder an den Großhändler Bergmann verkaufen. Die beiden gingen pragmatisch vor und einigten sich.

3 "Langer" "Pro Calculo!"

Ab dieser Zeit (1923) produzierte Addiator den Pro Calculo! etwas verändert mit einem 2. Anzeigefeld für Subtraktion; das Eingabefeld wurde unverändert übernommen. Bergmann bekam also wieder einen Rechner unter seinem Namen "Pro Calculo!".

Gleichzeitig fertigte Addiator auch Varianten des Rechners ohne Aufdruck (z.B. OBRA oder I.M.A.C.) und mit Aufdruck für den eigenen Vertrieb als Calculex. Ein geschäftlicher Erfolg ist nicht zu erkennen, zumal es sich um "Billigrechner" handelte, die den Ansprüchen von Carl Kübler nicht genügten.

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Calculex (Addiator) Besprechung 1923 in "Organisation"

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Calculex-Anzeige 1923


  

4 Nachfolger des "Pro Calculo!"

Allerdings dauerte der Frieden wohl auch nicht lange, denn Jean Bergmann kam 1924 mit dem "Correntator" auf den Markt. Dieser Rechner hat die gleiche Breite, ist aber kürzer und hat 1 Stelle mehr. Außerdem wurde die "echte" Subtraktion ermöglicht, indem mit Hilfe einer Halbklappe von Plus auf Minus umgeschaltet wurde. Ob diese Idee von Otto Meuter kam und er mal wieder der Dumme war? Diese Idee war schon vor Jahren im Trick von Mercedes realisiert worden, allerdings nicht mit einer Halbklappe, sondern mit einem Abdeckschieber.

Im Gegenzug fertigte Addiator die kleinere Variante seines Addiator Basismodells als Famos und Duplex. Konkurrenz hebt das Geschäft!

5 Literatur

6 Weitere Quellen

7 Verweise

8 Rechner

Ähnlich oder baugleich:

9 Copyright

Alle Rechte beim Verfasser
Erstellt von: F. Diestelkamp 15:48, 19. Mär 2005 (CET)
Überarbeitet: F. Diestelkamp 20:36, 16. Nov 2015 (CET)

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